Bundesarbeitsgemeinschaft Adoptierte (BARGEA) 

Warnung vor einer fatalen Fehlentscheidung!

Wir fordern, den Gesetzentwurf zurück zu ziehen.

 Wir äussern grösste Bedenken und Zweifel an der Statthaftigkeit und Rechtmässigkeit des vorliegenden „Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung Anonymer Geburten“ (s. Drucksache 14/.. v.23.04.2002)

Eine anonyme Geburt ist sowohl für das Kind als auch für die Mutter menschenunwürdig. Sie verstösst gegen Artikel 1 des Grundgesetzes.

Das Selbstbestimmungsrecht und der Wille der Mutter kann kein höheres rechtliches Gut darstellen als das Recht des Kindes auf Selbstbestimmung und Willensfreiheit im Sinne der Gleichheit vor dem Gesetz. Dieses Recht des Kindes gilt es zu erhalten und fürsorglich zu schützen.

Wir erheben Einspruch gegen ein Gesetz, das jeder Frau das Recht zugesteht, ihr Kind ohne Offenlegung ihrer Personalien zu gebären.

Die gesetzlich legitimierte anonyme Geburt nimmt dem Kind sein ihm durch das Bundesverfassungsgericht zuerkanntes Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Denn die einzige Person, von der es dies Recht einfordern könnte, wäre „anonym“, d.h. nicht bekannt.

Wir verabscheuen, dass zur Akzeptanz von Anonymer Geburt und „Babyklappe“ immer wieder das Argument bemüht wird, ein anonym gerettetes Leben sei einem toten oder in der Mülltonne abgelegten Säugling vorzuziehen. Damit wird ein Gegensatz konstruiert, den es in der Realität nicht gibt. Eine anonyme Geburt ist „gewollt“, d.h. sie bedarf einer Überlegung – die in Panik vollzogene Aussetzung oder gar Tötung des Neugeborenen geschieht „kopflos“. Das Scheinargument des Entweder-Oder setzt in leichtfertiger Weise auf Emotionen, die das NACH-Denken blockieren.

Wir nennen die Einführung der gesetzlich zugelassenen Anonymen Geburt anachronistisch. Sie ist ein Rückfall noch hinter die incognito-Adoption, die von Fachleuten und Adoptierten seit mehr als 20 Jahren zugunsten der offenen Adoption abgelehnt wird.

Wir protestieren gegen das geplante Gesetz, weil es vorgibt, eine Hilfe für in Not geratene Schwangere und ihr Kind zu bieten, tatsächlich aber die Erlaubnis zur Kindesaussetzung erteilt  - und dadurch auch propagiert!

Die Anonyme Geburt ist eine Scheinlösung, die den Weg frei macht für legale Findelkinder.

Vom Gesetzgeber fordern wir, seriöse Anstrengungen zu unternehmen, um schwangere Frauen und die beteiligten Männer in ihrer Verantwortung für ihr Kind zu stärken.

Hamburg, d.12.Mai 2002

Bundesarbeitsgemeinschaft Adoptierte (BARGEA)

 

Thema Babyklappe !

www.abendblatt.de/ vom 21. Jan. 2002   ! 
www.zeit.de/babyklappe  ! 

Liebe Besucher unserer Homepage!

Den folgenden Brief erhielten wir von Frau Regula Bott, GZA Hamburg. Wir unterstützen diese Aktion und nur durch breite Information wird das Thema " Babyklappe " transparenter gemacht. 
Mittlerweile sind 200 Unterschriften bei Frau Bott und Frau Prof. Swientek eingegangen und diese wurden bereits diversen Medien weitergeleitet!
Wir möchten gerne weitere Unterschriften sammeln und würden uns freuen, wenn auch Sie Ihre Unterschrift an die im Brief angegebene Adresse senden würden.
 

Unter dem Menüpunkt " Babyklappe " werden weitere Aspekte zum Thema Babyklappe und Anonyme Geburt dargelegt.

 
Über Ihre Meinung zum Thema freuen wir uns natürlich. Hierzu steht Ihnen unser Gästebuch zur Verfügung.

Herzlichen Dank

Gitta ( Lux-Forum-Adoptierter )

Die Stellungnahme zu "Babyklappen" und anonymer Geburt schicke ich mit der Anfrage und Bitte als Erstunterzeichnerin zu unterschreiben. Über viele Unterschriften und eine möglichst schnelle Antwort würden wir uns sehr freuen!! Die Begründung für diese Aktion ist dem Text zu entnehmen; bei ausreichender Zahl von Unterzeichner/Innen wollen wir die Erklärung an interessierte und aufgeschlossene Journalist/Innen geben in der Absicht und Hoffnung, dass die einseitige Diskussion und flächendeckende Planung etwas durchbrochen und reflektierter diskutiert wird. Die Rückmeldung über die Unterzeichnung mit Namen, Beruf, Funktion in Zusammenhang mit Adoption (z.B. Selbsthilfegruppe ..... oder Herkunftsmutter) 
und Wohnort bitte schriftlich an:

Prof.Dr. Chr. Swientek
per Post: Universität Hannover
Bismarkstr. 2
30173 Hannover
per Fax.: 0511 - 76 28 408 - z.Hd. Frau Prof.Dr. Swientek

Wir bitten um Verständnis, dass der vorgelegte Text nicht vorab
breiter 
diskutiert werden konnte. Regula Bott, Dipl.Psych., Hamburg

Babyklappen" - und anonyme Geburt

Nur auf den ersten Blick wirkt die Idee bestechend: "Babyklappen"
und anonyme Geburten in der Sicherheit von Krankenhäusern mit anschließender Adoption contra Aussetzung und Tod im Kleinstkindalter. Offenbar können sich dieser Idee nur wenig entziehen. Eine Nation tritt an, Findelkinder zu retten. In seltener Einigkeit sind es Kommunen und Parteien, Mediziner, Politiker und Bischöfe beider Kirchen, die in Aktionismus verfallen, ohne den zweiten Blick zu wagen oder weiter als bis zur Inpflegegabe des Kindes zu denken. Acht Wochen nach Auffinden wird das Kind zur Adoption freigegeben. Ein "gerettetes Leben" kann in einer glücklichen Adoptivfamilie beginnen. Oder nicht? Seit rund 20 Jahren arbeiten Adoptionsforscher, - berater und -vermittler an einer Öffnung der Adoption: fort vom totalen Inkognito der Vergangenheit, hin zu mehr Transparenz für alle Beteiligten. Es wurde geforscht, publiziert und 
fortgebildet; es wurden neue, offenere und somit menschlichere Formen erprobt, um allen an der Adoption Beteiligten zu ermöglichen, mit dieser Entscheidung besser leben zu können. Alternativen wurden gezielt
geschaffen und noch nie gab es in Deutschland so viele individuell abgestimmte Hilfsmöglichkeiten und eine so kompetente Beratung für "Mütter in Not". Das alles droht jetzt bergrutschartig unterzugehen in einer unreflektierten "Hilfe-um-jeden-Preis"-Mentalität. Wir wissen, dass viele "abgebende Mütter" mit der Entscheidung der Adoptionsfreigabe ihr Leben lang zu kämpfen haben, psychogen steril bleiben, selbstmordgefährdet sind und zu erheblichen psychosomatischen Erkrankungen neigen. "Babyklappen und anonyme Geburten manifestieren die Isolation und Perspektivlosigkeit dieser "Mütter in Not", sie werden mehr noch als bisher in die Sprachlosigkeit und Vereinsamung getrieben. Wir wissen, dass fast alle Adoptierten stark an ihrer Herkunft interessiert sind und sich viele auf die Suche nach ihren biologischen Wurzeln begeben. Nur wer je beratend, therapeutisch oder freundschaftlich mit diesen Adoptierten, die sich von ihren Wurzeln abgeschnitten fühlen, Kontakt hat, weiß, welches Leid sich hinter dieser Suche nach Herkunft und somit Identität verbirgt. Findelkinder werden nicht einmal die Chance haben, sich auf die Suche zu begeben. Sie bleiben von ihrer Vergangenheit abgeschnitten und werden zeitlebens mit der Ich-Findung und somit mit Bindung, Partnerschaft und Familiengründung Probleme haben. Wir wissen auch, dass die dritte Gruppe des "Adoptionsdreiecks", die Adoptiveltern, nach einer ersten Phase des Glücks Schwierigkeiten bekommen, 
dann nämlich, wenn die Kinder anfangen zu fragen und die Eltern ohne Daten und Fakten mit leeren Händen dastehen. Auch deshalb wurde die Adoption in den letzten Jahren zunehmend "geöffnet", mehr Information, mehr Austausch, mehr Miteinander. Adoptiveltern von Findelkindern müssen lügen oder sagen: "Du warst ausgesetzt, wir wissen nichts". Beides hat katastrophale Folgen für die Ich-Werdung des Menschen. Die Gegenargumente: "All das ist besser als der Tod" oder "Die Kinder werden ohnehin ausgesetzt" gelten nicht. Jeder Insider weiß, dass vermutlich kaum eine Mutter, die ihr Kind aussetzt oder tötet, von diesem Angebot erreicht wird, dass aber andererseits ein Angebot existieren wird, das die Nachfrage erhöht: Es wird ein völlig neues Klientel geschaffen, während die Zahl der Findelkinder - tot oder lebendig - nicht abnehmen wird. Bereits 1926 schrieb der Münchner Rechtsprofessor Dr. Adolf Weber: "Die Erfahrung lehrte, dass man die erhofften Wirkungen nicht erzielte. Weder Aussetzungen noch Kindesmorde sind verhütet worden (...). Man hält daher heute (...) in Deutschland die geheime Übergabe durch die Drehlade für eine nicht zu empfehlende Einrichtung und tritt für offene Übergabe unter Feststellung der Personalien ein". Wir dürfen nicht hinter die Entwicklungen der letzten 20 Jahre durch nicht hinreichend reflektierte Maßnahmen zurück fallen. Und wir dürfen das Leid "Abgegebener" nicht noch um die Dimension völliger Ent-Wurzelung vertiefen.

Prof. Dr. Christine Swientek, Erziehungswissenschaftlerin, Hannover